Raum geben…

Noch schnell einen Kaffe trinken, bevor wir die Kinder zur Schule bringen. Noch schnell die Zeitung kaufen, bevor wir das Büro betreten. Noch schnell Mittagessen, bevor wir ins nächste Meeting hetzen. Noch schnell Einkaufen, bevor wir die Kinder von der Kita abholen. Noch schnell den Geschirrspüler einräumen, bevor wir die Kinder ins Bett bringen. Noch schnell die Kinder ins Bett bringen, bevor ich endlich Zeit für mich finde…

Wer kennt dies nicht? Wir hetzen durch den Tag, um noch schnell jene Dinge zu erledigen, die zum Überleben wichtig sind. Überleben? Haben wir uns nicht jene Dinge ins Leben geholt, um unser Leben zu bereichern? Den tollen, gut bezahlten Job? Die Kinder? Den liebevollen Partner? Das grosse Haus mit Garten?

Vom Überleben zum bewussten Erleben

Doch wann nehmen wir uns Zeit, um Dinge wahrzunehmen, um das Leben zu geniessen? Um die Ursachen von Stress zu erkunden? Zu wenig!

Elterlicher Stress ist evolutionär bedingt (mussten wir doch früher den Löwen im Gebüsch wahrnehmen, damit unsere Kinder überlebten) und wird bei jeder potentiellen Gefahr aktiviert und kann unsere schlechtesten Eigenschaften ans Tageslicht befördern. Es sind die Momente, in denen wir die Geduld verlieren, Wut und Frustration in uns aufsteigen und wir (meist) unbewusst auf unsere Kinder reagieren. Damit wir uns jedoch wieder beruhigen können, müssen wir einen Umgang  mit unserem aktivierten Nervensystem finden. Geht es heute ja meistens nicht mehr um Leben oder Tod.
Achtsamkeitsübungen und allem Voraus bewusstes Atmen hat sich hierbei als sehr hilfreich erwiesen. Was wäre, wenn wir jedes Mal, wenn wir Stress wahrnehmen, einen Moment innehalten würden? So können wir uns selbst beruhigen und dann mit einem klaren Kopf entscheiden, was jetzt in diesem Moment wirklich wichtig ist. 

Eine Übung

(Aus Elternsein, die ganze Katastrophe; Susan Bögels)

1. Nimm eine Woche genau wahr, wann Du elterlichen Stress verspürst.

2. Richte Deine Aufmerksamkeit auf Deine innere Erfahrung. Achte auf Deine Gedanken, Emotionen und körperlichen Wahrnehmungen. Welche Handlungsimpulse kommen?

3. Richte Deine ganze Aufmerksamkeit auf den Atem. (3 Minuten)

4. Erweitere Deine Aufmerksamkeit auf den ganzen Körper, einschliesslich der Gefühle des Unbehagens, der Anspannung oder des Widerstands.

5. Nimm diese erweiterte Aufmerksamkeit so gut es geht in die nächsten Momente mit, die Dich an diesem Tag erwarten.

Diese Übung hilft, Anspannungen und unsere Tendenz, reaktiv zu handeln bewusst zu machen. Wir können die Folgen unserer Handlungen überblicken, bevor wir sie ausführen. So schaffen wir Raum und können alternative Möglichkeiten der Reaktion in Betracht ziehen. Wir haben die Wahl – wir antworten statt zu reagieren.
 

In der Ruhe liegt die Kraft

Stell Dir nun also vor, Du nimmst Dir jedes Mal 3 Minuten Zeit, bevor Du Dein Kind von der Kita abholst, um zu atmen und Dich sowie Dein Leben für einen Moment wahrzunehmen. Du wirst ruhig und kannst diese Ruhe auch auf Dein Kind übertragen. Du wirst ganz aufmerksam und kannst Dich auf das Wesentliche fokussieren. Und sei gewiss, wenn Du Dir noch schnell diese 3 Minuten Pause nimmst, wird sich Dein Leben ganz schnell verändern…