Hör sofort auf damit, sonst…!!!

Hör sofort damit auf, sonst…!!!

Wie oft hören wir uns schreien oder drohen und bereuen anschliessend, was wir gesagt oder getan haben? Doch wenn wir es bereuen, warum tun wir es dann immer wieder?

Reisende in einem fremden Land
Wenn Kinder die ersten Schritte machen wird ersichtlich, wie unermüdlich sie üben bis sie es schaffen auf eigenen Beinen zu stehen. Wir freuen uns. Wir filmen die ersten Schritte und teilen sie mit Familie und Freunden. (#ersteschritte Instagram 11’700 Beiträge).

Wenn Kinder allerdings soziale Fähigkeiten üben, wird von ihnen bereits von Anfang an viel erwartet. Sie sollen liebevoll sein und unsere Grenzen achten. Sie sollen sagen was sie wollen und sich anschliessend bedanken. Sie sollen Rücksicht aufeinander nehmen und ihre Sachen teilen. Wenn sie soziale Interaktionen jedoch (noch) nicht können, sind wir schnell ungeduldig oder nehmen es oftmals persönlich! Keiner filmt und teilt dies mit seinen Freunden (#erstekonflikte Instagram 0 Beiträge).

Doch warum machen wir einen Unterschied? Nehmen wir einmal an, wir reisen in ein fernes Land. Damit wir uns wohlfühlen brauchen wir einen liebevollen Reiseführer der sich vor Ort auskennt. Einer der weiss, wo die Gefahren lauern und der uns, falls nötig, einen Hinweis gibt. Einer, der uns aber auch Freiraum lässt um das Land nach Lust und Laune zu entdecken. Genauso eine Begleitung brauchen Kinder wenn sie ihre ersten Schritte machen. Und genauso eine Begleitung brauchen Kinder, wenn sie ihre ersten Konflikte haben: Eine liebevolle Rückmeldung was wir mögen und was nicht.

Warum gelingt dies nicht?
Nicht immer gelingt es uns, liebevoll auf Handlungen unserer Kinder zu reagieren. Dies passiert immer dann, wenn unsere eigenen Grenzen erreicht werden oder wir zumindest das Gefühl haben, dass sie erreicht sind. Wir drohen, wenn wir uns bedroht fühlen. Manchmal aus Wut, Müdigkeit oder einfach weil wir es nicht besser wissen.
Wir reagieren dann mit unserem Stammhirn, welches bei Gefahr auf Kampf, Flucht oder Erstarren schaltet. Unser Stammhirn kann nicht unterscheiden, ob etwas in Wirklichkeit passiert oder ob wir nur eine Vorstellung davon haben. Wurden wir in unserer Kindheit bedroht und unsere eigenen Grenzen überschritten, so reagiert unser System immer noch genau gleich auf Grenzüberschreitungen wie damals- nämlich mit Kampf oder Flucht. Meistens sind diese Kämpfe nicht mehr nötig, oder mal im ernst: Stand schon einmal dein Leben auf dem Spiel weil Dein Kind die Zähne nicht putzen wollte? Wohl eher nicht.

Was nun?
Wir müssen uns um diese Verletzungen, welche wir aus unserer eigenen Kindheit erfahren haben kümmern. Unsere Wut ist ein hilfreicher Begleiter, wenn es darum geht herauszufinden wo unsere Grenzen sind. Dann können wir besser spüren ob es darum geht, durchzuatmen und eine liebevolle Rückmeldung zu geben oder ob es darum geht, durchzuatmen und den Fokus nach innen zu richten und den Schmerz vergangener Erfahrungen zu heilen.

So oder so, dies ist ein Prozess, welcher Zeit und vor allem unsere Bereitschaft braucht, dort hinzugehen, wo wir uns nicht auskennen. Denn auch wir sind Reisende in einem fernen Land namens Elternsein und auch wir brauchen manchmal eine liebevollen Hinweis, welchen Weg wir als nächstes einschlagen sollen.

Gerne begleite ich Dich auf Deiner Reise.
Herzlich, Desirée