Und wie oft akzeptieren wir ein „Nein“ unseres Kindes wirklich?

Wie oft dürfen unsere Kinder „Nein“ zu etwas sagen und wie viele „Neins“ bekommen sie von uns? Für Eltern ist es alles andere als leicht zu ertragen, wenn das eigene Kind „Nein“ zu einem sagt. Lassen wir dies überhaupt zu, oder sind wir sofort verletzt?

Kinder brauchen Raum, um Erfahrungen im Umgang mit „Nein“ zu machen. Dies beinhaltet auch, dass ihre eigenen Grenzen gewahrt werden. Auch Kinder untereinander brauchen die Möglichkeit, um Erfahrungen im Umgang mit „Nein“ zu machen, z. B. wenn es um Mitspielen bzw. Nichtmitspielen-dürfen geht, wenn man genau das haben will, was der andere hat, wenn man nicht teilen will…Und das kann manchmal ganz schön frustrierend sein.

Wenn wir unseren Kindern die Möglichkeit geben „Nein“ zu sagen, stärkt dies ihr Selbstwertgefühl und sie lernen, ihren Raum und ihre Grenzen auf eine gesunde Art und Weise zu wahren. Dies ermöglicht es ihnen, auch die Grenzen anderer zu respektieren. Dies heisst nicht, dass die Kinder die Führung übernehmen, diese liegt beim Erwachsenen. Indem wir uns für das Nein des Kindes interessieren, fühlt es sich in seinen Grenzen und Bedürfnissen gesehen und anerkannt.

Wichtig: Hier geht es vor allem um die Integrität des Kindes. Wieviel es essen mag, ob es warm oder kalt hat, ob es gekitzelt werden will, ob es noch Bewegung braucht, etc. Es geht nicht darum, die eigenen Grenzen zu vernachlässigen, sondern die Kinder in ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen.

Je nach Situation ist es möglich, dem Nein des Kindes Raum zu geben, indem wir uns Zeit nehmen und dem Wunsch des Kindes nachkommen.

Beispiel:

Du bist auf dem Spielplatz und es ist Zeit nach Hause zu gehen. Du sagst deinem Kind folgendes: „Ich möchte gerne nach Hause gehen, es ist Zeit für das Mittagessen.“ Kind: „Nein, ich möchte aber noch Spielen.“

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Du sagst deinem Kind, dass es sofort kommen soll und du es nicht immer 3 Mal auffordern willst – Du fühlst dich verletzt, weil dein Kind dein Bedürfnis nicht respektiert. Gelichzeitig nimmst du das Nein deines Kindes nicht ernst. Hier fühlt sich das Kind nicht gesehen und erfährt, dass seine Bedürfnisse nichts wert sind. Dies schadet seinem Selbstwertgefühl und es fällt ihm schwer, zu kooperieren, da es für seine Bedürfnisse kämpfen muss. Deine Verletztheit hat nichts mit dem Verhalten deines Kindes zu tun, sondern kommt aus deinen eigenen Erfahrungen aus deinem Leben.
  1. Du sagst deinem Kind, dass ihr noch bleibt, da du deinem Kind deine Grenzen nicht zumuten möchtest, da es sonst anfängt zu weinen – Du nimmst dein Bedürfnis nicht ernst. Hier fühlt sich niemand gesehen, da dem Konflikt zweier Bedürfnisse aus dem Weg gegangen wird, indem dem Nein des Kindes zwar nachgekommen wird, jedoch auf Kosten deines eigenen Bedürfnisses. Hier lernt das Kind, dass die Bedürfnisse anderer nicht wertvoll sind, seine jedoch befriedigt werden. Dies schadet dem Selbstwertgefühl und dem Kind fällt es schwer zu kooperieren, wenn andere sich für ihre Bedürfnisse einsetzen.
  1. Du sagst deinem Kind, dass du siehst wie gerne es noch spielen möchte. Nun überprüfst du innerlich, was es für dich bedeutet, wenn ihr noch einen Moment auf dem Spielplatz bleibt. Meistens haben wir genügend Zeit eingeplant, sodass wir noch einen Augenblick abwarten können. So kannst du zu deinem Kind sagen:

„Ich sehe, du möchtest noch bleiben, wir haben ja auch noch ein bisschen Zeit. Wie lange brauchst du noch?“ Ist dies nicht der Fall, kannst du deinem Kind folgendes sagen: „Ich weiss, du würdest sehr gerne noch weiterspielen jedoch, wenn wir jetzt nicht zurückgehen, werde ich grossen Stress beim Kochen haben und das möchte ich nicht. Wir können gerne ein anderes Mal wiederkommen und dann mehr Zeit einplanen für dich.“ Dann wartest du einen Moment ab, damit dein Kind kooperieren kann.

Kinder, die stets für ihre Bedürfnisse kämpfen müssen, werden vielleicht nicht sofort kooperieren oder sie werden frustriert sein. Wenn du diesen Frust zulassen kannst, wird sich das Kind beruhigen und dann kooperieren. Wenn dein Kind die Erfahrung gemacht hat, dass es in seinem Bedürfnis wahrgenommen wird, wird es noch einen Moment „fertig“ spielen und dann von alleine kommen.

Hier nimmst du das Nein deines Kindes sowie auch dein Bedürfnis, in Ruhe kochen zu können ernst. Das Kind fühlt sich gesehen und erfährt Wertschätzung für seinen Wunsch. Dies ermöglicht es ihm, deinen Wunsch auch zu respektieren und es wird gerne mit dir kooperieren.

Es lohnt sich immer, zu überprüfen, was mit uns passiert, wenn unsere Kinder Nein sagen. Fühlen wir uns verletzt, ist es immer unsere Verletztheit aus der eigenen Kindheit und hat nichts mit dem Verhalten des Kindes zu tun. Hier geht es um dich und deine Gefühle. Wie oft wurde dein Nein als Kind wirklich akzeptiert?