Wenn du das gut gemacht hast, bekommst du ein Smiley…

 

Die Kläberli Methode begegnet mir immer wieder und ich möchte ein paar Gedanken dazu schreiben:
Wenn du diese Art von Belohnungssystem verwendest, solltest du dir im klaren darüber sein, was dies für dich und dein Kind bedeutet. Stell dir vor, du hast einen Konflikt mit deinem Kind und möchtest ihn auf diese Weise lösen: Jedes mal, wenn dein Kind unerwünschtes Verhalten vermeidet oder gewünschtes Verhalten zeigt, bekommt es einen schönen, glizzernen Kleber.

Bei dieser Methode:

  • ist das „falsche“ Verhalten ganz klar beim Kind. Mit ihm stimmt etwas nicht und es muss sich verändern, damit es in der Familie wieder akzeptiert wird
  • wird die gesamte Verantwortung (Antwort für den Konflikt suchen) dem Kind übertragen
  • verstecken sich die Erwachsenen hinter der Methode, sie müssen nichts von sich und ihren Gefühlen / Überforderung Preis geben
  • wird das Selbstwertgefühl des Kindes sowie die Beziehung zu ihm geschwächt, da es lernt sich aufzugeben für die kurzfristige Belohnung
  • Ist der Fokus auf dem Inhaltlichen (Will nicht zähneputzen, will nicht ins Bett, will nicht essen), statt auf dem Prozess/Beziehung: (Was brauche ich von dir? / Was brauchst du von mir?)

Wir handeln mit solch „unwürdigen“ Methoden aus der eigenen Hilflosigkeit heraus. Dies schadet der Beziehung zum Kind sowie schwächt unser eigenes Selbstwertgefühl.
Denn spätestens, wenn sich ein neuer Inhalt ergibt, bist du wieder am gleichen Punkt angekommen, wenn du dich nicht um die Beziehung kümmerst. Meist wollen Kinder uns mit ihrem Verhalten auf etwas aufmerksam machen, das in der Beziehung nicht stimmt. Sei es, dass wir uns zu wenig Zeit für uns nehmen, dass wir ihre Integrität verletzt haben oder dass wir uns nicht um wiederkehrende Konflikte kümmern. Da es unzählige Möglichkeiten für den Ursprung eines Konflikts gibt, lässt sich schon erahnen, dass hierbei keine einfache Methode helfen kann.

Doch welche Alternative gibt es?

Die Verantwortung, eine Antwort zu finden liegt immer beim Erwachsenen. Da Kinder mit dem Verhalten des Erwachsenen kooperieren, lohnt es sich,  dieses genauer zu betrachten. Unten findest du einige Vorschläge, wie dies aussehen kann. Als erstes ist es wichtig, dass du dir Zeit dafür nimmst um die Situation wahrzunehmen:

  • Bin ich klar in meiner Haltung? (mache ich, was ich sage und stehe ich auch dazu?)
  • Bin ich authentisch? (meine ich es auch so?)
  • Habe ich meine Grenzen und die Grenze meines Kindes gewahrt?(Sage ich, was ich brauche und sage ich es in einer persönlichen Sprache?)
  • Bin ich gleichwürdig? (Gelingt es mir, auch die Situation aus Sicht meines Kind zu sehen?)
  • Übernehme ich Verantwortung (Stehe ich zu meinen Gefühlen? Darf ich etwas falsch machen?)
  • Wie ist grundsätzlich die Stimmung in der Familie? (Wie geht es mir? Wie geht es meinem Kind ?)

Wenn es dir gelingt, den Fokus weg vom Verhalten des Kindes hin zu der Beziehung zu nehmen, hörst du auf, die Verantwortung für die schwierigen Seiten des Familienlebens an deine Kinder abzugeben. Und denke daran: dein Kind ist dein wichtigster Lehrer. Lerne ihm zuzuhören und du wirst viel über dich erfahren. Schöne und nicht so schöne Seiten. Doch das wichtigste ist, dass du weisst, auch deine nicht so schönen Seiten gehören zu der Geschichte deines Lebens dazu. Sie machen dich und dein Leben lebendig. Und sie lassen unsere Kinder wissen: auch wir sind nicht perfekt…

„Jede lebendige Situation hat trotz aller Ähnlichkeiten ein neues Gesicht, nie da gewesen, nie wiederkehrend. Sie verlangt eine Äußerung von dir, die nicht schon bereit liegen kann. Sie verlangt nichts, was gewesen ist. Sie verlangt Gegenwart, Verantwortung, DICH.“
Martin Buber