Bist Du da?

Bist Du da?

Wenn wir im Hier und Jetzt vollkommen präsent sind, dann sind wir fähig, unsere Gedanken und Gefühle sowie die des Kindes wahrzunehmen. Wenn wir uns jedoch Sorgen um die Zukunft machen oder über die Vergangenheit grübeln, dann sind wir in unserem konditionierten Denken gefangen. Dann sitzen wir mit unseren Kindern in einem Raum und sind trotzdem nicht da. Kinder nehmen dies wahr. Und Kinder fordern diese Präsenz ein. Das heisst nicht, dass wir jede Sekunde voll anwesend sein müssen, weil Kinder diese ungeteilte Aufmerksamkeit benötigen. Wenn wir jedoch mit unseren Kindern sprechen, ihnen zuhören, sie berühren und im Kontakt sind, dann sollten wir uns für ein achtsames Handeln entscheiden. Ganz da sein. Denn Kinder lernen über die Art und Weise, wie wir mit ihnen kommunizieren etwas über sich selbst. In ihrer Bindung zu uns entwickelt sich die Fähigkeit, selbst Beziehungen einzugehen.

Unsere eigene Kindheit
Auch wir haben solche Bindungserfahrungen gemacht. Diese sind tief in uns verankert und prägen unsere Handeln. Wenn wir zum Beispiel mit Liebesentzug bestraft wurden, dann schwingt diese Angst unbewusst in uns mit. Unser Handeln wird dadurch beeinflusst und so passiert es, dass wir schmerzliche Erfahrungen noch einmal durchleben müssen. Dies ist eine Möglichkeit, Dir Deiner eigenen Wunden bewusst zu werden, für sie zu sorgen und so die Verantwortung dafür zu übernehmen. Denn heute sind wir nicht mehr abhängig davon, dass andere Menschen unsere Bedürfnisse befriedigen. Oft sind wir uns jedoch dessen nicht bewusst und meinen daher, dass Andere dafür zuständig sind. Wir haben Erwartungen und machen Vorwürfe. Dies führt nicht selten zu Enttäuschungen und Konflikten, denn wir können die Verantwortung für unser Wohlbefinden nicht an Andere abgeben. Schon gar nicht an unsere Kinder! Es täuscht, dass wir noch immer aushalten müssen. Dass wir warten müssen, bis wir gesehen werden. Dass wir ausgeliefert sind. Dass wir alleine mit Schwierigkeiten zurechtkommen müssen. Dass wir unsere Verletztheit verstecken müssen, aus Angst, genau die selben Erfahrungen noch einmal durchleben zu müssen.

Hier sind wir, und nur hier können wir etwas tun
Aber wir müssen uns bewusst werden, was wir brauchen. Uns mitteilen, wenn wir uns hilflos fühlen. Ausdrücken, was uns zu schaffen macht. Uns mit anderen Menschen verbinden, wenn wir uns einsam fühlen. Uns zeigen, wenn wir Angst haben etwas falsch zu machen. Wenn Erfahrungen aus der Vergangenheit im Jetzt die Kontrolle übernehmen, dann sind sie wieder da, die schmerzhaften Gefühle, die Hilflosigkeit. Dann nehmen wir uns ihrer an, kümmern uns um sie und so kümmern wir uns auch um uns. Und so kommen wir aus der Erwartung heraus, dass Andere für unser Gefühlsleben verantwortlich sind und nehmen unser Leben selbst in die Hand. Wir handeln aktiv und dies steigert unser Selbstwertgefühl und gibt uns Kraft.

Dann sagen wir ich brauche statt kannst du nicht endlich mal…und ich will nicht statt warum machst du nicht…Wir sprechen von uns, unseren Ängsten, Bedürfnissen und Wünschen, statt davon, was Andere zu tun (oder eben zu lassen) haben. Diese Klarheit hilft den Kindern (und auch anderen Menschen), sich an uns zu orientieren. Sie wissen wer hinter den Worten steckt und lernen so etwas über unsere Grenzen. Dies verbindet und die Verbindung ist was zählt, damit wir mit unseren Kindern wachsen können.

Dies gelingt uns nicht immer und manchmal fallen wir in alte Gewohnheiten zurück. Aus diesem Grund biete ich im neuen Jahr die Elterngruppe und weitere Kurse an. Mehrere Treffen unterstützen Dich, im Prozess zu bleiben und Dich mit anderen Menschen zu verbinden.

Ich wünsche Dir und auch mir von Herzen die Kraft, um das Leben zu leben, was wir uns wünschen. Hier. Jetzt.
Herzlich
Desirée